heise online, 08.08.2001 

Gesundheits-Check durch körpernahe Sensorik

Forscher am Institut für Technik der Informationsverarbeitung (ITIV) der Universität Karlsruhe entwickeln einen Personal Health Monitor: Sensoren, die auf den Körper wie ein Pflaster aufgeklebt werden und Daten über den Blutdruck, Pulsfrequenz, Atemgeräusche und -frequenz messen und an eine Basisstation übermitteln. Andere Sensoren sollen den Augen-Innendruck oder die Glukosekonzentration kontrollieren.

Ziel des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) mit 13,6 Millionen Mark geförderten und noch bis Ende 2004 laufenden Verbundprojektes ist es, medizinische Messwerte online und auch über lange Zeit hinweg aufzeichnen zu können und entsprechende, kostengünstig zu produzierende Geräte zur Marktreife zu entwickeln.

Die Sensoren besitzen in ihren Mikrocontrollern für den jeweils zu messenden Vitalparameter abgestimmte Algorithmen, unter anderem auch ein Komprimierungsverfahren zur Reduktion der bei einer Messung anfallenden Datenmenge. So fällt beispielsweise bei der Messung des Blutdrucks pro Sekunde eine Datenmenge von mehreren Megabit an, da der Blutdruck nicht wie herkömmlich mit einer unangenehmen Armmanschette gemessen wird, sondern sich über die per Laserstrahl ermittelte Fließgeschwindigkeit des Blutes errechnet, die 100-mal pro Sekunde ermittelt wird. Bei den derzeit noch zur Verfügung stehenden Prototypen werden die Sensoren allerdings noch über ein externes Batteriepack mit Strom versorgt, denn Signalverarbeitung und der Laser verbrauchen eine Menge Energie.

Um die Messdaten drahtlos an eine Basisstation weiterzusenden, favorisieren die Forscher derzeit Bluetooth als standardisierte Datenschnittstelle, sodass auch verschiedene Hersteller ihre Sensoren in ein solches Überwachungssystem eingliedern können. Als Basisstation eignet sich zu Hause beispielsweise der PC oder ein PDA, unterwegs könnte das Handy die vom Sensor empfangenen Daten weitersenden. Geplant ist, dass dann der PC des Patienten in regelmäßigen Abständen die Daten an einen Zentralrechner überspielt, der in der Praxis des betreuenden Arztes oder in einer Klinik stehen kann, von wo aus auch zum Zwecke der Therapie auf die Daten zugegriffen werden kann.

Doch nicht nur die bequeme Langzeitbetrachtung von Messdaten bestimmter Körperfunktionen als therapeutisches und diagnostisches Hilfsmittel steht hier im Vordergrund. Durch die Kombination verschiedener Vitalparameter und der kontinuierlichen Erfassung von Langzeitdaten lassen sich bei gefährdeten Personen im Rahmen einer Langzeitprävention auch Ereignisse wie Gehirnschlag oder Herzinfarkt anhand der gemessenen Daten vorausahnen. Projektkoordinator Dr. Wilhelm Stork vom ITIV erwartet denn auch von seinem Personal Health Monitor wesentliche Verbesserungen in der Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Grünem Star, Schlafstörungen, Asthma oder Diabetes. Bei akuten Fällen, wie beispielsweise extrem hohem Blutdruck oder einem Herzinfarkt, erkennt die Basisstation die Notsituation selbstständig und schlägt beim behandelnden Arzt oder bei einem medizinischen Dienst Alarm.

Das BMBF verspricht sich von dem Projekt effizientere und kostengünstigere Lösungen, um in Zukunft möglichst mit geringem Personaleinsatz bestimmte medizinische Leistungen der demographischen Entwicklung anzupassen. Dadurch ließen sich Kosten durch bislang notwendige stationäre Klinikaufenthalte und Betreuung in Pflegeheimen deutlich reduzieren und die außerklinische Versorgung und Pflege stärken – auch zum Nutzen des Patienten, denn Messgeräte, die seine Bewegungsfreiheit einengen oder ihn zu einem Klinikaufenthalt zwingen, gehören dann der Vergangenheit an. "So ist es dem Patient möglich", meint Stork, "wesentlich mehr Zeit während der Untersuchungsphase, der Behandlungsphase und der Rehabilitationsphase zu Hause zu verbringen". (Andreas Grote) / (jk/c't)


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